Seminar in BAP

 

Ziel:           Die Teilnehmer sollen eine ARBEITSUNTERWEISUNG selbständig

                  ■ schriftlich vorbereiten

                      und

                  ■ durchführen

                      können (Arbeitsunterweisungsprobe = praktischer Teil der BAP).

 

Konzept:   ■ Gemeinsames Erarbeiten der Grundlagen

                                            I.          Die Vier-Stufen-Methode der Arbeitsunterweisung

                                          II.          Die Arbeitszergliederung

                                        III.          Die schriftliche Unterweisungsvorbereitung

                       

                  ■ Übungen in Gruppen

 

                  ■ Jeder Teilnehmer arbeitet zu einem selbst gewählten Thema eine schriftliche Arbeitsunterweisung aus.

 

                    Vorstellen der Arbeitsunterweisung im Rollenspiel

 

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Beispiel: schriftliche UNTERWEISUNGSVORBEREITUNG

 

THEMA: Gravimetrische Bestimmung der Trockenmasse von Brot

 

1. Unterweisungsziel

 

Der Auszubildende soll im Rahmen der Qualitätssicherung die Trockenmasse von Brot gravimetrisch bestimmen können.

 

2. Reduzierte  fachliche Grundlagen

 

Die Trockenmasse ist bei der chemisch-analytischen Untersuchung ein wichtiger Parameter. Unter der Trockenmasse eines Lebensmittels wird die Summe aller nichtflüchtigen Bestandteile verstanden. Dazu gehören hauptsächlich Kohlenhydrate, Lipide, Proteine, Mineralstoffe usw. Je weniger Wasser bei der Teigbereitung eingesetzt wird, umso geringer ist der Wassergehalt und umso höher ist damit die Trockenmasse. Bekanntermaßen haben Dauerbrote wie Knäckebrot einen sehr niedrigen Wasser- und damit hohen Trockenmassegehalt. Bei normalem Brot ist der Trockenmassegehalt nicht überall gleich, sondern z.B. in der Kruste und Krume unterschiedlich.

Bei der vorliegenden Methode wird eine möglichst homogene Durchschnittsprobe des Brotes mit Seesand vermischt und bei 103 °C ± 2 °C im Trockenschrank bis zur Gewichtskonstanz getrocknet. Der Trockenmassegehalt des Brotes wird anschließend nach folgender Formel berechnet:  Auswaage (g) * 100 / Einwaage (g)  = TM  %

 

3. Voraussetzungen

 

Der Auszubildende sollte bereits wissen, wie die Trockenmasse während der Brotherstellung beeinflusst werden kann. Ferner werden Kenntnisse im Prozentrechnen vorausgesetzt.

 

4. Hilfs- und Arbeitsmittel

 

·        Trockenschrank

·        Exsikkator

·        Starmix

·        flache Glas- / Porzellan- / Aluschale mit Durchmesser 60 – 80 mm

·        Pistill

·        Tigelzange

·        Seesand, gewaschen, gereinigt und geglüht

·        Analysenwaage

 

5. Arbeitszergliederung

 

1. Lernschritt: Vorbereiten und Wiegen der Schale

 

Kernpunkte

Begründung

 

a)      Schale mit 10 – 30 g Seesand und Pistill im Trockenschrank bei 103 °C ± 2 °C ca. 1 Std. trocknen.

 

 

 

b)      Schale mit Tigelzange in den Exsikkator stellen und dort 45 Minuten auf Raumtemperatur abkühlen lassen.

 

 

 

 

 

c)      Wiegen der Schale (auf 1 mg genau) = mL

 

 

An Schale, Sand und Pistille anhaftendes Wasser würde die Messung verfälschen.

Die vorgegebene Temperatur ist  wichtig, um Ergebnisse vergleichen zu können.

 

Vorsicht! Die Schale ist sehr heiß.

Bei zu warmer Probe würde das Messergebnis durch aufsteigende Luft beim Verdunsten des Wassers verfälscht werden.

Der Exsikkator verhindert, dass das getrocknete Gut wieder Umgebungsfeuchte aufnimmt.

 

Masse wird später für Berechnung benötigt.

 

 

2. Lernschritt: Einwaage bestimmen

 

Kernpunkte

Begründung

 

a)      Einzelne Segmente aus Brot entnehmen.

 

b)      Brotsegmente im Starmix zerkleinern.

 

 

c)      Einwiegen von ca. 10 g des zerkleinerten Brotes

(auf 1 mg genau) = mp

 

d)      Mit Hilfe des Pistills eingewogene Brotmenge vorsichtig und möglichst gleichmäßig mit Seesand vermischen.

 

 

 

Gewinnung einer repräsentativen Durchschnittsprobe.

 

Gewinnung einer homogenen Probe, in welcher Teile von Kruste und Krume enthalten sein müssen.

 

Masse wird für die Berechnung benötigt.

 

 

Probe wird aufgelockert und die Oberfläche vergrößert. Dies ermöglicht eine rasche, gleichmäßige und vollständige Verdunstung des Wassers.

Um richtige Ergebnisse zu erzielen, darf dabei kein Sand mehr aus der Schale verloren gehen.

 

 

3. Lernschritt: Auswaage bestimmen und Trockenmasse berechnen

 

Kernpunkte

Begründung

 

a)      Schale in den Trockenschrank geben und bei 103 °C ± 2 °C bis zur Massekonstanz trocknen (2 – 3 Std.).

 

 

b)      Schale mit Tigelzange zum Abkühlen in den Exsikkator stellen.

 

c)      Auswiegen der Probe (auf 1 mg genau) = mT

 

d)      Berechnen der Trockenmasse in %:

 (mT – mL) * 100

¾¾¾¾¾¾¾  = TM (%) 

             (mp – mL)

 

 

Bedeutung der vorgegebenen Temperatur siehe oben.

Solange die Masse abnimmt, verdunstet noch Wasser. Die Trocknung daher nicht zu früh beenden.

 

siehe oben

 

 

Masse wird für die Berechnung benötigt.

 

 

6. Methodische Entscheidungen

 

Vorbereitung

Der Trockenmassegehalt ist ein wichtiges Qualitätsmerkmal bei der Brotherstellung. Der Verbraucher möchte weder ein zu nasses noch ein zu trockenes Brot. Zur besseren Beurteilung dieser Unterscheidungsmerkmale werden dem Auszubildenden entsprechende Brotproben zum Kosten vorgelegt. In der Rolle des Verbrauchers wird ihm klar, wie wichtig es ist, dass der Kunde mit der erzeugten Ware zufrieden ist. Nur dann wird er weiterhin sein Brot hier kaufen. Es ist daher im ureigensten Interesse des Betriebes, gleichbleibende Produktqualität zu erzielen. Der Trockenmassegehalt des Brotes ist daher regelmäßig zu kontrollieren, um nötigenfalls rechtzeitig gegensteuern zu können.

Vorführung/Erklärung

Dem Auszubildenden wird die Tätigkeit nicht vorgemacht, sondern Ausbilder und Auszubildender versuchen gemeinsam das Problem zu lösen, wie man die Trockenmasse von Brot in % bestimmen kann. Gelenkt durch Fragen und Denkanstöße des Ausbilders, soll der Auszubildende möglichst selber auf die entscheidenden Erkenntnisse kommen, welche als wichtige Arbeitsschritte an der Tafel oder auf einem Blatt Papier festgehalten werden. Da diese Tätigkeit keine großen Fertigkeiten erfordert, darf der Auszubildende die jeweils anfallenden Arbeitsschritte möglichst gleich selber unter Anleitung des Ausbilders ausführen.

Als Erstes wird die zur Berechnung der Trockenmasse in % erforderliche Formel erarbeitet.

Daraus lässt sich leicht ableiten, dass zunächst die Einwaage zu bestimmen ist.

Wir geben ihm vor, dass hierzu 10g Brot genügen, und fragen ihn dann, wie er es wohl anstellen würde, um aus einem Laib Brot eine repräsentative Durchschnittsprobe zu gewinnen. Mittels Analogieschlüsse führen wir den Auszubildenden zu der Erkenntnis, dass er zu diesem Zweck einzelne Segmente aus dem Brot entnehmen muss.

Für den Auszubildenden ist leicht erkennbar, dass Kruste und Krume des Brotes nicht die gleiche Trockenmasse haben können. Um aber eine homogene Probe zu erhalten, müsste für ihn die Schlussfolgerung möglich sein, dass er dazu die Brotsegmente im Starmix zerkleinern muss.

Jetzt darf der Auszubildende 10g des zerkleinerten Brotes auf 1 mg genau einwiegen und die Masse als den Wert mp festhalten, weil er später zur Berechnung benötigt wird.

Dabei ergibt sich aber ein neues Problem. Das zerkleinerte Brot ist relativ feucht und die Teilchen kleben zusammen. Die Trocknung würde so viel zu lange dauern und das Ergebnis wäre zudem sehr ungenau. Ein Vergleich mit dem Trocknen von Wäsche zeigt ihm, dass bei einer Vergrößerung der Oberfläche der Trocknungsvorgang am schnellsten vor sich geht. Zu diesem Zweck dient der bereitgestellte Seesand, welcher die Probe auflockert und die Oberfläche vergrößert, erklären wir dem Auszubildenden. Wir machen dem Auszubildenden vor, wie mit Hilfe des Pistills die eingewogene Brotmenge vorsichtig und gleichmäßig vermischt wird und lassen es ihm gleich selbst ausführen und üben.

„Nun können wir alles in den Trockenschrank stellen“, versuchen wir den Auszubildenden zum Nachdenken über die Folgen dieser Handlung anzuregen. Er soll selber darauf kommen, dass die Einwaage ja aus Brot, Schale, Seesand und Pistill besteht, für die Trockenmassebestimmung aber lediglich die Masse des Brotes wichtig ist. Es gilt daher, die Masse der anderen Bestandteile schon vor dem Trocknungsprozess zu wiegen und festzuhalten, weil sonst die Auswaage des Brotes allein nicht mehr möglich ist.

Damit sind wir beim nächsten Arbeits- bzw. Lernschritt:  Vorbereiten und Wiegen der Schale

Wir bereiten für den Auszubildenden verschiedene Versuche vor und vergleichen die Massen von Schale, 10-30 g Seesand und Pistill in folgenden Zuständen:

§        ungetrocknet

§        getrocknet im Raum

§        getrocknet, nicht abgekühlt

§        getrocknet, im Raum abgekühlt

§        getrocknet, im Exsikkator abgekühlt

Wir analysieren die unterschiedlichen Ergebnisse und kommen zu folgender Erkenntnis.  Um vergleichbare Ergebnisse erzielen zu können, müssen wir unter möglichst standardisierbaren Bedingungen arbeiten. Dies bedeutet folglich:

o       Trocknen bei 103 °C ± 2 °C ca. 1 Std. im Trockenschrank, da anhaftendes Wasser die Ergebnisse verfälscht.

o       Abkühlen für 45 Minuten im Exsikkator, da sonst Messergebnisse verfälscht wären.

Kurze Demonstration, dass bei einer nicht abgekühlten, noch warmen Schale sofort bei der Probeneinwaage des feuchten Brotes Wasser verdunsten und die dabei aufsteigende Luft das Ergebnis verfälschen würde. Der Auszubildende soll mit Unterstützung des Ausbilders (z.B. schwüles Wetter als Denkanstoß für Luft- bzw. Umgebungsfeuchte) möglichst selber herausfinden, weshalb sich die Massen einer im Raum und einer im Exsikkator abgekühlten Schale (+ Seesand + Pistill) unterscheiden.

o       Wiegen auf 1 mg genau und als mL für Berechnung festhalten.

Wichtiger Hinweis: Verwendung der Tigelzange!!

 

Wahrscheinlich erwähnt der Auszubildende von selber, dass es aus Gründen der Zeitersparnis wohl sinnvoller wäre, diesen Arbeitsschritt als ersten durchzuführen, weil dann während des Trocknungsvorganges die Zeit für die Bestimmung der Einwaage genutzt werden könnte. Wenn nicht, sollte man ihn unbedingt danach fragen.

 

Der letzte Arbeits- bzw. Lernschritt, nämlich Auswaage bestimmen und Trockenmasse berechnen, stellt kein größeres Problem mehr dar. Die wesentlichen Handlungen wie Trocknen und Abkühlen wurden bereits geklärt und begründet. Abschließend ist nur noch die Probe auf 1 mg genau auszuwiegen und als Wert mT festzuhalten, da er zur Berechnung der Trockenmasse in % in folgende Formel einzusetzen ist:

 

               (mT – mL) * 100

               ——————— = TM (%)

                     (mp – mL)

 

 

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